Montag, 25. Juni 2012

Information: Lüdinghauser Schulfrieden

Baustelle: Schullandschaft LH ; (c) Westfälische Nachrichten
Im Herbst wird der Stadtrat darüber beschließen, ob zum Schuljahr 2013/2014 eine neue Schulform an den Start gehen soll. Im Rahmen der Schulentwicklungsplanung wurde offenbar, dass in absehbarer Zeit unsere Hauptschule in Lüdinghausen nur noch eine Klasse pro Jahrgang bilden kann (2016). Der Bestand der Schule wäre so akut gefährdet. Aus diesem Grund stieg die Stadt in Überlegungen ein, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Schullandschaft in Lüdinghausen weiterzuentwickeln. In Folge wurde in Betracht gezogen, an der Tüllinghofer Straße entweder eine Gesamtschule oder eine Sekundarschule zu etablieren.


Schulpolitik in NRW

Während es schon seit vielen Jahren Gesamtschulen gibt, ist die Schulform „Sekundarschule“ relativ neu. Im Zuge des sogenannten Schulfriedens haben sich im Jahr 2011 SPD, CDU und Grüne geeinigt, in NRW auf Dauer Schulkonzepte - vergleichbar mit der schon lange in Ascheberg diskutierten „Profilschule“ - zu etablieren, um dem Wunsch nach längerem gemeinsamen Lernen Rechnung zu tragen. Weiteres Ziel der Reform war es, im ländlichen Raum angesichts des geänderten Wahlverhaltens von Eltern einerseits und der demographischen Entwicklung anderseits sicherzustellen, dass Schulen weiter vor Ort bestehen können und alle Schulabschlüsse ermöglicht werden. 

Die Sekundarschule

Das aktuelle Konzept der für Lüdinghausen vorgeschlagenen Sekundarschule sieht längeres gemeinsames Lernen vor, um die Kinder nicht gleich in der 5. Klasse zu trennen. Im Rahmen einer sogenannten Teilintegration werden dann später vergleichbar mit der Gesamtschule Basis- oder Fortgeschrittenenkurse in einzelnen Fächern angeboten. Nach dem 10. Schuljahr ist es den Schülern dann entweder möglich, mit der Berufsschul- oder Fachoberschulreife abzugehen oder nahtlos in die Oberstufe eines Partner-Gymnasiums zu wechseln. Die Sekundarschule hat im Gegensatz zur Gesamtschule keine eigene Oberstufe, sondern arbeitet bereits in den Klassen 5-10 intensiv mit einer Partnerschule zusammen, um anschließend einen reibungslosen Übergang zwischen den beiden Schulen zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit reicht von Abstimmung von Unterrichtsinhalten, gemeinsamen Projekten bis hin zu Lehreraustauschen und angepassten Fremdsprachenangebot. Nach dem Wechsel in die Oberstufe ist dann das Abitur nach 9 Jahren möglich (G9).
Vereinfachend lässt sich vll. zusammenfassen, dass das geplante Konzept der Sekundarschule dem einer Gesamtschule bis zur Klasse 10 stark ähnelt, anschließend aber für die Oberstufe mit einem Partner zusammenarbeitet. Für diese Partnerschaft kommen in Lüdinghausen sowohl das Anton, Cani und auch das Berufskolleg in Frage. Alle Schulen haben grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, dass Cani auch ausdrücklich die konkrete Absicht erklärt. Dabei verwies sie auf die bereits lange Erfahrung der Zusammenarbeit mit der Realschule, wodurch bereits jetzt jedes Jahr zwischen 10 und 20 Schüler den Übergang in die gymnasiale Oberstufe schaffen würden. Diese Kooperation müsste allerdings für eine wirkliche Partnerschaft noch deutlich ausgebaut werden.


Was passiert mit Haupt- und Realschule?

Egal ob die zukünftige Schule in Lüdinghausen Sekundarschule oder Gesamtschule lauten wird, Realschule und Hauptschule werden nicht einfach aufgelöst. Beide Schulen werden noch für mindestens 5 Jahre weiterbestehen, nehmen aber keine neuen Schüler mehr auf. Die bestehenden Klassenstufen werden weitergeführt. Die Lehrkräfte, die sich zu einem Wechsel an die neuzugründende Schulform entschließen, unterrichten parallel auch noch an ihrer früheren Schule, jeweils mit einem Stundenkontingent. So ist sichergestellt, dass kein Kind zurückgelassen wird


Wie geht es weiter? - Elternbefragung

Nach den Sommerferien wird es neben Elterninformation auch eine Befragung alle Eltern mit Kindern im Grundschulalter geben. Bei der Befragung wird die Bereitschaft, sein Kind an einer der beiden möglichen Schulformen anzumelden, abgefragt, um somit der Bezirksregierung im Rahmen der Genehmigung der neuen Schule einen „Bedarf“ nachzuweisen. Nur wenn genug Bereitschaft seitens der Eltern für die jeweilige Schulform signalisiert wird, ist es überhaupt möglich eine neue Schule zu gründen. Und es macht auch nur Sinn eine Schulform zu wählen, die von möglichst vielen Beteiligten akzeptiert wird. 


Versuche der CDU-Fraktion, die sich bereits deutlich pro Sekundarschule ausgesprochen hat, den Fragebogen für die Elternbefragung derartig zu drehen/manipulieren/gestalten, dass die Gesamtschule als Option nicht mehr auftaucht, spiegeln nicht den Willen der Eltern wieder und machen aus der Befragung eine FARCE.

Appell:

Sollten Sie Kinder im relevanten Alter haben, bitte ich Sie: Informieren Sie sich gründlich und treffen Sie eine gut überlegte Entscheidung bei der Befragung zum Elternwillen. Keine der beiden Schulformen sollte schon daran scheitern, mit Fragezeichen behaftet zu sein. Es liegt in Ihrer Hand.