Mittwoch, 5. Juni 2013

Flexible Kinderbetreuung wird zum Luxusgut

(c)S.v.Gehren  / pixelio.de
In Lüdinghausen wurde bekanntlich der Betrieb der offenen Ganztagsschule (OGS) neu ausgeschrieben und statt des langjährigen Partners LOMP jetzt die AWO als neuer Träger installiert.

Ob das alles richtig war und zudem korrekt abgelaufen ist gibt es geteilte Aufassungen, es ist aber beschlossen und wird ab Anfang August auch so umgesetzt. Hier soll es jetzt aber um die freiwillig angebotene "Kurze Gruppe" gehen, die gestern Thema im Ausschuss für Bildung, Kultur und Soziales war.


Hintergrund

Im letzten Jahr gab es eine Prüfung der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA), die die Verwendung der Landesmittel für den Betrieb der offenen Ganztagsschule untersuchte, in Lüdinghausen wurden dabei erhebliche Mängel aufgedeckt. Neben organisatorischem Versagen wurde zudem das etablierte Modell gerügt, die Betreuung flexibel zu handhaben und auch einen nur teilweisen Besuch der OGS zu gestatten und dafür Landesmittel abzurufen. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte nämlich in den vergangenen Jahren den entsprechenden Erlass geändert bzw. präzisiert. - Es droht jetzt eine Rückzahlung der unberechtigt abgerufenen Fördermittel.

Zum Schuljahr 2012/2013 wurden daher die "Kurzen Gruppen" eingerichtet. Statt wie bei der OGS nun verpflichtend immer an 5 Nachmittagen pro Woche bis 16.00 in der Schule bleiben zu müssen, wurde hier ein flexibles Angebot eingerichtet, bei dem die Betreuung nur bis 13 Uhr erfolgte und nicht jeden Tag besucht werden musste. Der Elternbeitrag dafür wurde Einkommens-unabhängig auf 30 € pro Kind und Monat festgesetzt.

Das neue Betreuungsangebot

Der neue Träger hatte in seinem Angebot die kurze Gruppe allerdings nur für einen höheren Preis angeboten, nämlich 70€ für das 1. Kind und 35 € für Geschwisterkinder. Aus Sicht des neuen Trägers und der Stadt ist nur dieser Beitrag kostendeckend, da vorher unzulässigerweise die Kurze Gruppe von den anderen Kindern der OGS quasi quersubventioniert wurde.

Die neuen Beiträge steigen daher deutlich - die Leistung muss komplett von den Eltern getragen werden, den als freiwilliges Angebot wollen weder Stadt noch Land hier Zuschüsse gewähren.
Ich hatte für die UWG gestern daher beantragt, einen Teil der Einsparung, die durch den neuen, auch generell günstigeren Träger entsteht, für einen Zuschuss zur flexiblen Gruppe zu verwenden, da mir eine Verdopplung der Gebühren einerseits das falsche Signal schien, anderseits aber auch die Falschen belastet:
Junge Familien werden für ihr Kind zukünftig 480€ im Jahr zusätzlich zahlen müssen.
Der entsprechende Antrag wurde gestern dann leider abgelehnt. Die Argumente die da kamen waren allerdings haarsträubend. Ich habe Verständnis, dass ein Zuschuss von etwa 20.000€ nicht leichtfertig bewilligt werden sollte und dem Ein oder Anderen zu teuer erscheint. OK, akzeptiert.

Verlogene Debatte

Nicht in Ordnung aber sind Äußerung der CDU wie diese: 
"Die flexible Kinderbetreuung ist eine freiwillige Leistung, die nicht bezuschusst wird und jetzt zu einer private Betreuung wird."
"Wer sich das nicht leisten kann, hat ja die Möglichkeit sein Kind in die geförderte OGS zu geben. Das Land hat sich ja was dabei gedacht, die Kinder den gesamten Nachmittag zu betreuen."
Die Arroganz und Abfälligkeit, mit dem hier über Mitbürger gesprochen wird, die finanziell nicht ganz so gut situiert sind wie ein pensionierter Richter, empört mich. Interessanter ist jedoch wie hier die OGS und die ganztägige, verpflichtende Teilnahme dargestellt wird. Nämlich als gute Sache. Das hörte sich allerdings im letzten Jahr ganz anders an, als gerade die CDU gegen die böse Landesregierung wetterte: Die Rede war von Bevormundung von Familien, Einschränkung von Freiheit. In der Landespolitik beschuldigte der Spitzenkandidat Röttgen Mutti Kraft, den Eltern die Erziehung ihrer Kinder zu entreißen, mit einer angeblichen PFLICHT, ganztägig betreut zu werden.

Jetzt ist das Ganze wohl in Ordnung. Zumindest für die, die sich die Alternative nicht leisten können.

Sonntag, 2. Juni 2013

Zensus 2011 - Lüdinghausen & Kreis Coesfeld

Den Zensus gebloggt - (c) Statistisches Bundesamt
Am vergangenen Freitag wurden die ersten Ergebnisse der in 2011 durchgeführten Volkszählung veröffentlicht.
Beim Zensus 2011 wurden zahlreiche Daten von Einwohnermeldeämtern und staatlichen Behörden wie Sozialversicherungen erhoben und zusätzlich einerseits die Eigentümer von Immobilien befragt, anderseits auch bis zu 10% der Einwohner persönlich interviewt.

Mehr dazu unter www.zensus2011.de

Warum eine Volkszählung?

Nötig ist die Volkszählung gewesen, da die Daten seit der letzten großen Volkszählung im Jahr 1987 nur fortgeschrieben wurden. Wie sorgfältig das geschehen ist, bzw. wie viele Karteileichen sich in den Jahren in den verschiedenen Städten und Gemeinden entstanden sind, hat jetzt der Zensus 2011 aufgedeckt:
  • Die Einwohnerzahl von Deutschland musste um 1,5 Millionen auf 80,2 Millionen reduziert werden
  • Statt 7,3 Millionen Ausländern (Mitbürger mit anderer Staatsangehörigkeit) gibt es nur 6,2 Millionen
  • Alleine der Stadtstaat Berlin verliert 300.000 Einwohner auf jetzt nur noch 3,2 Millionen

Lüdinghausen und der Kreis Coesfeld

Auch Lüdinghausen ist von der Zählung betroffen. Laut Einwohnermelderegister lebten Ende 2011 in Lüdinghausen 24.144 Einwohner. Die Hochschätzung im Rahmen des Zensus korrigiert diese Zahl jetzt auf etwa 23.544 herunter (Stand 09.05.2011). Wir verlieren damit ca. 2,3% unserer Einwohner - der Traum einiger Stadtverantwortlicher, die magische Grenze von 25.000 Einwohnern zu knacken, dürfte damit in weite Ferne rücken. 

Hier der Blick auf den gesamten Kreis Coesfeld:
      Bevölkerung       Dev in %
Ascheberg 15103 1,2
Billerbeck 11460 -0,4
Coesfeld 35815 -1,2
Dülmen 46388 -0,6
Havixbeck 11543 -2
Lüdinghausen 23544 -2,3
Nordkirchen 9662 -6,8
Nottuln 19160 -3,2
Olfen 12084 -0,7
Rosendahl 10534 -3,1
Senden 19976 -3,5
---------------
Kreis Coesfeld
215269 -1,8
------------------------------------------
Bis auf Ascheberg gibt es also nur "Verlierer", zum Teil mit deutlichen Verlusten wie in Nordkirchen.

Soziodemografische Merkmale des Zensus

Bei der persönlichen Befragung der Haushalte wurden nicht nur rein die Anzahl der Einwohner erfasst, sondern auch vielfältige andere Daten erhoben, z.B. zu Herkunft, Erwerbsstatus, Bildungshistorie, Familienstruktur, Religion. Die Ergebnisse werden jetzt ebenfalls veröffentlicht, soweit sie ausgewertet sind.

Auf http://www.zensuskarte.de/ hat die Organisation OpenDataCity im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung eine Visualisierung der Daten begonnen, mit bereits sehr anschaulichen Ergebnissen:



Visualisierungen vom Kreis Coesfeld

Folgend daher einige der bereits verfügbaren Visualisierungen für den Kreis Coesfeld und die umliegenden Gemeinden: 

Mittwoch, 22. Mai 2013

Bürgerdialog Europa im Richard-von-Weizsäcker Berufskolleg


Dr. Christoph Hantel u. Andrea Bergrath
 von der VHS Lüdinghausen
Am
vergangenen Donnerstag war ich zum Bürgerdialog ins Richard-von-Weizsäcker Berufskolleg in Lüdinghausen eingeladen. In einer schön organisierten Veranstaltung haben Schüler und Lehrer sowie interessierte Bürger und Lokalpolitiker über das Thema Europa diskutiert. Organisiert wurde das im Rahmen des Projekts Bürgerdialog der deutschen Volkshochschulen in Zusammenarbeit mit der Bertelsmannstiftung.


Themenschwerpunkte dabei waren:
  • Wie gehen wir mit der Krise um?
  • Was hält uns in Europa zusammen?
  • Welche Verantwortung trägt Europa in der Welt?








Im Format World-Café wurde zu verschiedenen Fragestellungen diskutiert und die Schülergruppen erarbeiteten konkrete Vorschläge für aus Ihrer Sicht drängende Probleme in Europa, z.B. die Anerkennung von Abschlüssen verschiedener Länder oder die unwürdigen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Textilien in Asien.













Zum Schluss wurden die Arbeitsergebnisse dann vorgestellt und abgestimmt, die favorisierten Vorschläge finden sich auf der Projektseite. Ich habe die einzelnen Arbeitsergebnisse der Gruppen nochmal fotografisch dokumentiert, Bilder findet ihr unten.

Mein Fazit: Schönes Projekt, viele Schüler waren auch eifrig dabei, ein größerer Teil aber leider schlicht erzwungen anwesend, da Teil des Unterrichts.

Dienstag, 14. Mai 2013

ReStart

So ich melde mich hier mal wieder zurück - in den letzten Monaten hatte ich irgendwie keine richtige Lust zu schreiben. Aber jetzt geht es voller guter Vorsätze wieder los.

Während ich Schreibpause/-blockade hatte ist in Lüdinghausen natürlich dennoch einiges passiert.

- es gab ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Realschule
- deswegen ist die Verwaltung mit der ursprünglich geplanten Schulentwicklung baden gegangen
- der Haushalt wurde beraten und verabschiedet
- ein Werkstattprozess zur künftigen Schullandschaft ist gestartet
- Eklat beim Verkauf eines Gründstücks in der Borg für ein geplantes Hotel

und natürlich unzählige andere Themen, die ich hier jetzt gerade vergesse. 

Zu diesen Dingen wird es in den nächsten Wochen teilweise eine Nachschau geben, teilweise laufen da auch noch weitere Dinge. Am Schulentwicklungsprozess z.b. werde ich für die UWG an den kommenden Workshops teilnehmen und dann hier davon berichten.

Also, lasst euch überraschen wie nachhaltig dieses kleine Motivationshoch ist ;-)


Achja: Als neue Funktion hab ich mal G+ als neues Kommentarsystem hier eingebaut.

In den nächsten Tagen werde ich vll. nochmal die Seiten updaten und bereite generell noch einen Relaunch des Blogs vor - eve. ziehe ich von Blogger zu Wordpress um... - mal gucken.

Donnerstag, 7. Februar 2013

VHS arrives @Facebook

Facebook - Tägliche Nutzungsdauer
Tägliche Nutzungsdauer Facebook (© - Statista)
Wo ist eigentlich dieses Facebook und wie komme ich da auch hin?

Stand heute haben das über 25 Millionen Deutsche schon herausgefunden und sich in dem populären sozialen Netzwerk angemeldet. 30 % der Bevölkerung bewegen sich auf Facebook - und das zum größten Teil täglich. Längst findet Facebook nicht nur am heimischen Computer statt, auf nahezu jedem Smartphone hat der Nutzer die passende App installiert.

Das Leben der Deutschen findet  zunehmend auch online statt - und dann zu einem <vll. leider> maßgeblichen Teil auf Facebook. Ob die Plattform eines mittlerweile Börsennotierten Unternehmens, das in der Kritik steht die Privatsphäre seiner Nutzer immer weiter auszuhöhlen, diese Macht haben sollte - eher nicht. Aber hier schlägt der Netzwerkeffekt zu: Da alle anderen auch bei Facebook sind, ist der soziale Druck groß, sich ebenfalls dort anzumelden.

Auch der Volkshochschulkreis Lüdinghausen ist seit Ende 2012 auf Facebook zu finden. Der aktuelle Leiter der VHS, Dr. Christoph Hantel, hatte schon 2011 in seiner Bewerbung  als zentrales Vorhaben eine bessere Vernetzung der Volkshochschule genannt. Einerseits die <offline> Vernetzung mit Interessengruppen, anderen Bildungsträgern und öffentlichen Einrichtungen. Anderseits aber eben auch die digitale Vernetzung. Das bedeutet konkret z.B. den neuen Facebook-Auftritt, aber auch den Einsatz der Lernplattform Moodle um digitale Lerninhalte in das Kursangebot einfließen zu lassen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Update: Klageverfahren Netzgesellschaft

Justitia by (CC-BY-2.0 Dirk Schaefer)
Wie hier schon berichtet, haben einige Kommunen aus dem Münsterland / Kreis Coesfeld gemeinsam eine Infrastrukturgesellschaft gegründet, die die Strom- und Gasnetze in ihrem Hoheitsgebiet von den bisherigen Betreibern RWE und Gelsenwasser übernehmen sollte.
Die gemeinsame Münsterland Netzgesellschaft soll als Holding fungieren und das Eigentum an den Netzen erwerben, die dann von einem strategischen Partner betrieben werden. Auch die Konzession wandert von RWE an diese Gesellschaft. Zusätzlich könnten unter der Holding auch verschiedene andere Aktivitäten der Kommunen gebündelt werden, wie Müllentsorgung, Energieerzeugung und ähnliches.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Sparschwein Abwasserwerk

Eigenkapitalentwicklung im Abwasserwerk der Stadt Lüdinghausen 2010-2016
In der Sitzung des Betriebsausschusses gestern ging es im wesentlichen um die Verabschiedung einer neuen Gebührensatzung für die Erhebung von Abwassergebühren.

Eine Neuregelung war erforderlich geworden, nachdem die Stadt mit dem seit 2007 verwendeten Modell vor dem OVG Münster gescheitert ist. - die WN berichteten.... Als Folge hat die Stadt zusammen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) ein korrektes Berechnungsmodell für die Abwasser- und Niederschlagswassergebühren (fieses Wort ;-) ) erarbeitet. In der gestrigen Sitzungen wurden jetzt die auf der Grundlage des Modells errechneten Gebühren vorgestellt.